IM BRENNPUNKT: Explodierende handelsrechtliche Rückstellungen

Die Null-Zins-Politik der EZB hat enormen Einfluss auf die Höhe der handelsrechtlichen Pensionsrückstellungen. Da sich der handelsrechtlich anzuwendende Rechnungszins seit In-Kraft-Treten des BilMoG an der Entwicklung des Kapitalmarktes orientiert, führt die EZB-Politik dazu, dass der handelsrechtlich anzuwendende Rechnungszins unaufhaltsam sinkt.

Die schmerzlichen Auswirkungen der Zinsentwicklung bekamen die meisten Trägerunternehmen erstmals beim Jahresabschluss 2015 so richtig zu spüren. Der Rückgang der Rechnungszinsen um 0,64% führte per 31.12.2015 zu exorbitanten Zuführungen zu den handelsrechtlichen Pensionsrückstellungen. Da sich die dramatische Zinsentwicklung in den nächsten Jahren unaufhaltsam fortsetzen wird, werden die handelsrechtlichen Pensionsrückstellungen explosionsartig zunehmen.

Zwar hat der Gesetzgeber Anfang 2016 mit der Neuregelung des § 253 HGB auf die anhaltende und immer größer werdende Problematik der handelsrechtlichen Bewertung von Pensionsverpflichtungen reagiert. Jedoch kann die Neuregelung per Ende 2017 bereits wieder als gescheitert bezeichnet werden. Konnten die Unternehmen im Wirtschaftsjahr 2016 noch eine minimale Entlastung der Handelsbilanz feststellen (der Rechnungszins ist durch die gesetzliche Neuregelung von 3,89% auf 4,01% gestiegen), so wird beim Jahresabschluss 2017 das böse Erwachen folgen. Denn der Rechnungszins ist im Wirtschaftsjahr 2017 abermals drastisch gesunken; nämlich um 0,33% von 4,01% auf 3,68%.

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